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Kolonialismus
Kolonialismus bezeichnet ein Herrschaftssystem, in dem eine Macht politische, wirtschaftliche, kulturelle und/oder militärische Kontrolle über ein anderes Volk oder Territorium ausübt. Als europäisches Projekt begann der Kolonialismus im 16. Jahrhundert mit der gewaltsamen Besiedlung Afrikas, Australiens, den Amerikas und weiten Teilen Asiens. In diesem Zuge wurden das Land und dessen Ressourcen sowie die lokale Bevölkerung und ihre Arbeitskraft ausgebeutet. Der Kolonialismus schuf und verfestigte Ungleichheiten, indem die europäischen Mächte den kolonisierten Bevölkerungen ihre Rechte, Freiheiten und ihre Unabhängigkeit entzogen. Die europäischen Kolonialmächte rechtfertigten diese Unterdrückung durch eine vermeintliche rassische Überlegenheit und sogenannte „Zivilisierungsmissionen“. Dadurch entwickelte sich eine eurozentrische Denkweise: Weiße, europäische Systeme beanspruchen eine gewisse kulturelle, historische und politische Überlegenheit gegenüber nicht-weißen und nicht-europäischen Systemen. Diese Dynamik und ihre Auswirkungen bestehen auch heute, nach der formellen Entkolonialisierung, weiter fort.
Neokolonialismus beschreibt die Fortsetzung kolonialer Herrschaftsmuster nach dem formalen Ende der europäischen Imperien. Diese neue Form der Machtausübung zeigt sich durch wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Einfluss anstelle einer direkten territorialen Kontrolle. Ehemalige Kolonialmächte – und zunehmend auch globale Institutionen und Konzerne – üben weiterhin Einfluss auf ehemals kolonisierte Regionen aus, etwa durch Handelsabhängigkeiten, Verschuldung und ideologische Macht. Obwohl viele Regionen nach dem Zweiten Weltkrieg politische Unabhängigkeit erlangten, prägen strukturelle, im Kolonialismus verwurzelte Ungleichheiten weiterhin die globalen Beziehungen und schränken echte Selbstbestimmung häufig ein.
Die Begriffe Globaler Norden und Globaler Süden beziehen sich auf diese anhaltende weltweite Ungleichheit. Der Globale Norden bezeichnet im Allgemeinen wohlhabendere, industrialisierte Länder – vor allem in Europa und Nordamerika –, die historisch vom Kolonialismus profitiert haben und weiterhin über unverhältnismäßig große wirtschaftliche und politische Macht verfügen. Der Globale Süden umfasst Regionen in Afrika, Lateinamerika, Asien und Teilen Ozeaniens, die innerhalb des globalen Systems strukturell benachteiligt bleiben. Diese Begriffe sind nicht rein geografisch zu verstehen, sondern spiegeln historische und ökonomische Beziehungen wider, die durch koloniale Ausbeutung und deren Folgen geprägt sind.
Zusammen verdeutlichen diese Konzepte, dass Kolonialismus nicht nur ein historisches Phänomen ist, sondern eine fortdauernde Struktur darstellt, die globale Hierarchien, Wissensproduktion und sozioökonomische Ungleichheiten beeinflusst.
– von Lucia Mrazovà, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL)
Quellen
University of Exeter (2026): Introduction to Decolonisation, unter: https://introductiontodecolonisation.com/glossary-of-key-terms/ (abgerufen am 10.05.2026)
Kohn, Margaret and Kavita Reddy, „Colonialism“, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2024 Edition), Edward N. Zalta & Uri Nodelman (eds.), unter: https://plato.stanford.edu/archives/sum2024/entries/colonialism/ (abgerufen am 10.05.2026)
Bhambra, Gurminder K (ohne Jahr): Global Social Theory, unter: https://globalsocialtheory.org/topics/decoloniality/ (abgerufen am 10.05.2026)
Mehr Infos zu Kolonialismus und Migration:
Wie Kommunen die Integration von Migrant:innen erleichtern können
