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Demonstrierende der Fridays-for-Future-Bewegung laufen in München über eine Straße. Sie wehen Fahnen und tragen ein großes Banner mit der Aufschrift "Klimaschutz jetzt!"

Soziale Bewegungen

Soziale Bewegungen sind organisierte Zusammenschlüsse von Individuen und Gruppen, die gemeinsam gesellschaftliche, politische oder soziale Veränderungen anstreben oder anstehende Entwicklungen verhindern wollen. Sie verfolgen ihre Ziele durch gemeinsames Handeln und richten ihre Aktivitäten auf die Erzeugung öffentlicher Aufmerksamkeit. Dabei nutzen sie unterschiedliche Protestformen sowie verschiedene Vernetzungs- und Kommunikationsstrategien, um Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen. Soziale Bewegungen können somit ein wichtiger Faktor für sozialen Wandel sein.

Als früheste Beispiele für soziale Bewegungen in Deutschland gelten die Arbeiterbewegung sowie die Frauenbewegung im 19. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert kam es besonders im Zuge der 1968er-Bewegung zur Bildung verschiedener neuer Bewegungen. Sie werden gemeinhin unter dem Begriff Neue Soziale Bewegungen zusammengefasst. Ihnen ist gemeinsam, dass sie sich auf postmaterielle Werte wie Umweltschutz, Geschlechtergerechtigkeit oder Menschenrechte statt auf ökonomische Verteilungskonflikte konzentrieren. Heute lassen sich weltweit soziale Bewegungen mit sehr unterschiedlichen politischen Ausrichtungen und sowohl lokalen als auch globalen Aktionsradien beobachten.

Die Handlungsformen sozialer Bewegungen haben sich stetig weiterentwickelt. Sie reichen von klassischen Flugblättern und Petitionen hinzu Streiks, öffentlichen Demonstrationen und Protestveranstaltungen. Aber auch juristische Maßnahmen, ziviler Ungehorsam und kreative Protestformen wie Flashmobs sowie direkte politische Interventionen gehören zum Repertoire von sozialen Bewegungen. Das Internet und die sozialen Medien haben zudem neue Handlungsformen, wie digitale Petitionen, Protest-Hashtags oder digitale Boykotte, hervorgebracht.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Protestbewegungen und soziale Bewegungen meist synonym verwendet. In der (sozial-)wissenschaftlichen Forschung werden Protestbewegungen und soziale Bewegungen jedoch meist getrennt betrachtet. Hier zeichnen sich soziale Bewegungen dadurch aus, dass sie generelle Veränderungen der politischen oder sozialen Verhältnisse anstreben, während reine Protestbewegungen grundsätzlich über kein umfassendes Programm und keine positiven Ziele verfügen. Protestbewegungen finden sich meist zusammen, um ein konkretes Vorhaben zu verhindern.

Die Forschung zu sozialen Bewegungen ist heute ein interdisziplinäres Forschungsfeld. Ihre Anfänge liegen in der Soziologie, wichtige Beiträge lieferten aber auch die Politikwissenschaft, die Sozialpsychologie, die Kommunikationswissenschaft sowie teilweise die Kultur- und Geschichtswissenschaft. Besonders zu den Fragen, wie soziale Bewegungen entstehen und wie sie handlungsfähig werden und bleiben, bestehen bis heute viele unterschiedliche Theorien, die in der Forschung kontrovers diskutiert werden. Beispielsweise erklärt der Ressourcenmobilisierungsansatz das Zustandekommen von Bewegungen über das Vorhandensein von Ressourcen wie Geld, Zeit und Mitstreiter:innen. Die Sozialpsychologie kritisiert an dieser Theorie, dass sie die Rolle von Emotionen wie Empörung, Angst oder Hoffnung als mobilisierenden Faktor außer Acht lasse. Einigkeit besteht im Forschungsfeld jedoch weitestgehend darüber, dass keine einzelne Theorie soziale Bewegungen vollständig erklären kann. Stattdessen müssen unterschiedliche Perspektiven integriert werden.

Quellen:

Beyer, H. & Schnabel, A. (2017): Theorien sozialer Bewegungen: Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus.

della Porta, D. & Diani, M. (2020): Social Movements: An Introduction. 3. Aufl. Hoboken: Wiley-Blackwell.

Herbers, L. & Zobel, M. (2022): Soziale Bewegungen. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Soziale-Bewegung (abgerufen am 06.08.2026).

Raschke, J. (1988): Soziale Bewegungen: Ein historisch-systematischer Grundriss. Frankfurt am Main: Campus.

Roth, R. & Rucht, D. (Hrsg.) (2008): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Frankfurt am Main/New York: Campus.