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23. Februar 2026
Emerging Adulthood: Warum sich dein Leben gerade so stark verändert – und das normal ist
Der Übergang ins Erwachsenenleben bringt viele Veränderungen mit sich. Diese Phase ist spannend, manchmal überfordernd und unsicher. Was bedeutet diese Zeit für die persönliche Entwicklung und warum kann sie so herausfordernd sein?
Der Übergang ins Erwachsenenleben ist eine besondere Zeit. Zwischen etwa 18 und 25 Jahren verändert sich oft sehr viel: Schule oder Studium enden, der erste Job beginnt, man zieht vielleicht aus, Beziehungen ändern sich oder werden ernster. Viele junge Menschen erleben diese Jahre als aufregend – aber auch als anstrengend oder unsicher.
Wichtig zu wissen: Diese Phase ist kein persönliches Problem, sondern ein ganz normaler Lebensabschnitt. Forschende nennen sie „emerging adulthood“, also das „heranwachsende Erwachsenenalter“. Schon immer war diese Zeit von Umbrüchen geprägt. Menschen probieren Neues aus, stellen Fragen wie „Wer bin ich?“ oder „Was will ich im Leben?“. Das kann sich manchmal chaotisch anfühlen, gehört aber zur Entwicklung dazu.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Solche Veränderungen bringen nicht nur Stress, sondern auch Chancen für persönliches Wachstum. In einer Studie mit jungen Erwachsenen in Australien haben wir untersucht, wie Menschen mit typischen Herausforderungen umgehen – zum Beispiel mit Prüfungsstress, Konflikten in Beziehungen oder Unsicherheit über die Zukunft. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie aus diesen Erfahrungen etwas über sich selbst gelernt haben: etwa, wie sie mit Stress umgehen, wer ihnen hilft oder was ihnen wirklich wichtig ist. Diese neuen Einsichten können langfristig die Fähigkeit stärken, schwierige Situationen zu bewältigen – also Menschen resilienter machen.
Das bedeutet: Auch wenn sich ein Problem im Moment groß anfühlt, kann es später zu mehr Selbstvertrauen und Klarheit führen. Forschende beschreiben diesen Prozess als eine Art Lernschleife. Man erlebt eine Herausforderung, denkt darüber nach, probiert neue Strategien aus – und entwickelt so Schritt für Schritt mehr Widerstandskraft. Im besten Fall wächst man also mit seinen Aufgaben und Herausforderungen und fühlt sich bereit für neue Herausforderungen.
Natürlich gehen Menschen unterschiedlich mit dieser Phase um. Manche fühlen sich schnell sicherer, andere brauchen länger. Manche erleben mehr Stress, andere weniger. Das ist völlig normal. Wichtig ist: Es gibt nicht den einen richtigen Weg ins Erwachsenenleben
In einer großen Langzeitstudie mit jungen Erwachsenen in Deutschland, dem Mainzer Resilienz-Projekt (MARP), haben wir gesehen, dass eine bestimmte Haltung besonders hilfreich sein kann. Junge Menschen, die schwierige Situationen eher realistisch, aber leicht positiv bewerten, bleiben langfristig psychisch stabiler. Sie nehmen Probleme ernst, glauben aber gleichzeitig, dass sie damit umgehen können. Wir nennen diese Einstellungen einen „positiven Bewertungsstil“.
Was bedeutet unsere Erkenntnisse für junge Menschen?
Wenn sich dein Leben gerade im Umbruch anfühlt, bist du damit nicht allein. Diese Phase ist ein natürlicher Teil des Erwachsenwerdens. Sie kann anstrengend sein, aber sie bietet auch die Chance, dich selbst besser kennenzulernen. Jede Herausforderung kann dir helfen, neue Fähigkeiten zu entwickeln – auch wenn das nicht immer sofort sichtbar ist.
Du musst nicht perfekt mit allem umgehen. Es reicht, Schritt für Schritt zu lernen. Gespräche mit Freunden, Familie oder Beratungsstellen können helfen. Und manchmal hilft schon der Gedanke: Viele andere erleben Ähnliches – und wachsen daran.
Der Weg ins Erwachsenenleben ist selten gerade. Aber er ist eine Zeit, in der sich viel entwickeln kann. Veränderungen bedeuten nicht nur Unsicherheit. Sie können auch der Anfang von etwas Neuem sein.
Wenn Du denkst, professionelle Hilfe könnte Dir gut tun:
An vielen Universitäten kann eine Psychologische Beratungsstelle ein guter erster Kontakt sein; manche Arbeitgeber bieten Employee Assistant-Programme an. Auch Krankenkassen können oft helfen, eine Erstberatung zu organisieren.
Oder schau doch mal hierein, das ist ein kostenfreies Online-Angebot des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung in Mainz.
Wenn’s akut wird und nicht mehr weitergeht:
TelefonSeelsorge: 24/7 erreichbar unter 0800-1110111, 0800-1110222 oder 116123, auch per Chat/Mail.
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117 (bundesweit, ohne Vorwahl) für dringende psychische Hilfe außerhalb der Praxiszeiten.
Notruf: 112 bei akuter Gefahr (Suizidgefahr, psychotische Krisen).
Sozialpsychiatrischer Dienst: Lokale Anlaufstellen in jeder Stadt (meist über Gesundheitsämter) für Krisenberatung.
Kliniken: Jedes psychiatrische Krankenhaus bietet eine Notfallaufnahme.
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