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Transformation
stammt vom lateinischen Wort ‚transformare‘ ab und bedeutet ‚umformen‘.
Gesellschaften wandeln sich ständig und gehen in ihrer Vielfalt auf diesen Wandel ein. Erfolgt die Reaktion ungesteuert, mit kleinen Schritten und ohne große öffentliche Debatte in den jeweiligen sozialen Bereichen, dann ist es ein evolutionärer Wandel. Demgegenüber sprechen wir von einer Transformation, wenn eine bestimmte Gruppe von Menschen selber einen Wandel ihrer Gesellschaft gestalten will, das kann dann sogar die gesamte Gesellschaft sein. Transformation ist also ein gesteuerter Wandel. Dieser kann mehr oder weniger radikal sein. Entweder sollen teilweise die gesellschaftlichen Routinen, Regeln oder Institutionen verändert werden oder es sollen gänzlich neue Routinen, Regeln bzw. Institutionen eingeführt werden.
Weiterhin kann die Transformation sich nur auf bestimmte Bereiche der Gesellschaft, wie die Kultur, die Wirtschaft, die Bildung oder das politische System beziehen oder einen umfassenden mehrere Bereiche gleichzeitig betreffenden Wandel zum Ziel haben. In diesem Fall hat die Transformation einen Systemwechsel zum Ziel. Das bekannte Beispiel der postsozialistischen Transformation bezog sich auf den gleichzeitigen Wandel in zwei Bereichen: der Wirtschaft und der Politik. In kurzer Zeit sollten private Eigentumsverhältnisse, freie Marktmechanismen und demokratische Herrschaftsverfahren eingeführt werden, wobei sich beide Wandlungsprozesse gegenseitig behindert haben (Dilemma der Gleichzeitigkeit). Je umfassender und radikaler Transformationen sind, umso komplexer und politisch umstrittener sind sie und umso unsicherer sind ihre Ergebnisse.
Aktuell wird die Transformation zumeist für einen Wandel als Reaktion auf ökologische und soziale Krisen genutzt. Durch eine sozial-ökologische Transformation sollen die Gesellschaften in ihrem Ressourcenverbrauch nachhaltig werden und damit stärker auf die Bedürfnisse künftiger Generationen eingehen. Dadurch wird Transformation heute oft für politische Programme eines nachhaltigen Wandels in Deutschland, Europa und der Vereinten Nationen genutzt.
– von Dr. Jörn Knobloch, Koordinator Wissenssynthese im Leibniz-Lab Umbrüche und Transformationen
Quellen:
Wolfgang Merkel /Raj Kollmorgen/ Hans-Jürgen Wagener (Hrsg.) (2015), Handbuch Transformationsforschung, Springer VS.
Claus Offe (1994), Der Tunnel am Ende des Lichts. Erkundungen der politischen Transformation im Neuen Osten, Campus.
UNO (United Nations) 2015. Transforming Our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development. New York: UNO.
WBGU (Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen) 2011. Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation. Berlin: WBGU.
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