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Mobilitätswende

Die Art und Weise, wie Mobilität von Menschen und Gütern in Deutschland und weltweit organisiert ist, belastet Umwelt, Klima und Lebensqualität. Die Mobilitätswende zielt daher darauf ab, den Anteil umweltschädlicher Verkehrsmittel zu verringern und ressourcenschonende sowie nachhaltige Alternativen zu fördern.

Über die Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor zu reduzieren, besteht in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend Einigkeit. Umstritten sind jedoch Wege und Geschwindigkeit dieser Transformation. Debattiert werden unter anderem die Rolle verschiedener Technologien, die Frage der „Technologieoffenheit“, die Stärkung von ÖPNV und aktiver Mobilität sowie die Bereitschaft der Menschen, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern. Damit verbunden sind neue Anforderungen an Stadtentwicklung und -planung.

Im politischen wie wissenschaftlichen Diskurs werden die Begriffe Verkehrs- und Mobilitätswende häufig nicht klar voneinander abgegrenzt. Beide werden meist mit technologischen Innovationen wie Digitalisierung, dem Ausstieg aus fossilen Antrieben sowie Automatisierung und Vernetzung verknüpft. Zugleich wird der Ausbau des ÖPNV und der aktiven Mobilität (Radfahren und Zufußgehen) gefordert.

Angelehnt an Manderscheid (2020) lassen sich drei Zugänge unterscheiden:

  1. Im Zentrum öffentlicher Debatten steht häufig die automobile Antriebswende. Sie fokussiert den Wechsel von fossilen Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben, synthetischen Kraftstoffen oder grünem Wasserstoff.
  2. Die Verkehrswende geht darüber hinaus und zielt auf Veränderungen des gesamten Verkehrssystems. Dazu gehören der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, bessere Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr sowie Verkehrsvermeidung etwa durch Telearbeit (Umstieg zugunsten des Umweltverbundes).
  3. Die Mobilitätswende strebt einen grundlegenden Wandel von Mobilitätsmustern und -routinen an. Sie hinterfragt Mobilitätsanlässe wie Pendeln oder Care-Arbeit und bezieht politische sowie kulturelle Dimensionen von Mobilität ein.

Aufgrund bestehender Interessenlagen und Pfadabhängigkeiten ist zudem eine politisch-planerische Strategiewende erforderlich: weg von der Angebots-, hin zu einer Nachfrageorientierung. Diese umfasst die Verantwortung, auch gegen Widerstände einzelner sozialer Gruppen und Interessenvertretungen notwendige Ziele zur Eindämmung von Klimawandel und Erderwärmung festzulegen und zu überwachen (Dangschat 2026). Eine erfolgreiche Reduktion von Verkehrsemissionen erfordert daher einen systemischen Ansatz, der zugleich soziale und sozialräumliche Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten abbaut (Geels 2012).

– von Wladimir Sgibnev, Senior Researcher am Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL)

 

Weiterführende Literatur:

Dangschat, Jens S. 2026. Verkehr und Mobilität in der sozial-ökologischen Transformation. In: Karl-Werner Brand und Basil Bornemann (Hrsg.), Die sozial-ökologische Transformation der Welt. Frankfurt am Main & New York: Campus, 295-331.

Geels, Frank W. 2012. A socio-technical analysis of low-carbon transitions: Introducing the multi-level perspective into transport studies. Journal of Transport Geography 24: 471–482.

Manderscheid, Katharina. 2020. Antriebs-, Verkehrs- oder Mobilitätswende? Zur Elektrifizierung des Automobilitätsdispositivs. In: Achim Brunnengräber und Tobias Haas (Hrsg.), Baustelle Elektromobilität. Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität. Bielefeld: transcript, 37–68.