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Ein Radfahrer und ein Auto fahren auf einer Straße.

3. August 2026

Was eine nachhaltige Mobilitätswende auszeichnet

Wie wollen uns müssen wir uns künftig fortbewegen, wenn wir den Klimawandel ausbremsen wollen? Die Debatte um die Mobilitätswende geht dabei weit über die Frage hinaus, für welches Fortbewegungsmittel wir uns entscheiden. Analyse einer der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Porträt des Forschers Wladimir Sgibnev

Dr. Wladimir Sgibnev

Wissenschaftler

Institut: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL)

E-Mail: w_sgibnev@leibniz-ifl.de

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Portrait des Forschers Jens Dangschat

Em.O.Univ.Prof. Mag. rer.soc.oec. Dr.phil. Jens Dangschat

Wissenschaftler

Institut: Technische Universität Wien

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Die Art und Weise, wie Mobilität von Menschen und Gütern stattfindet, belasten die Umwelt, das Klima und unsere Lebensqualität. Die Diskussion um die Mobilitätswende hat daher zum Ziel, den Anteil schädlicher Verkehrsmittel zu senken und andere, ressourcenschonendere und nachhaltigere Optionen zu fördern.

Aktuell macht der Verkehr 22 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland aus (Stand 2024; Umweltbundesamt 2024). Damit gehört der Verkehr hierzulande zu den umweltschädlichsten Lebensbereichen. Zwar konnten die Emissionen zwischen 1990 und 2020 um elf Prozent gesenkt werden, wie Abbildung 1 zeigt. Jedoch wurden die Emissionen in anderen Sektoren deutlich stärker reduziert. Dadurch ist der relative Anteil des Verkehrssektors an der Gesamtmenge an Treibhausgasemissionen größer geworden.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Treibhausgasemmissionen in Deutschland zwischen 1990 und 2020. Dabei wird die Menge an Emmissionen aus dem Jahr 1990 als 100% gesetzt. Der Summe aller Emmissionen in der Grafik ergeben sich aus den Bereichen Verkehr (einmal mit und einmal ohne Corona-Sondereffekte), Landwirtschaft, Haushalte, Industrie und Energiewirtschaft. Entsprechend zeigt die Grafik sechs Verläufe an. Am stärksten ist der Anteil der Energiewirtschaft gesunken, nämlich um 53%. Am geringsten ist er im Verkehr gesunken: um 0,8% ohne Corona-Sondereffekte und um 11% mit Corona-Sondereffekten.

Trotz politischer Beteuerungen, die Schiene künftig stärker zu priorisieren, sind in Deutschland die Investitionen der öffentlichen Hand in den Straßenbau noch immer doppelt so hoch gegenüber denen in die Schienenwege, wie eine Untersuchung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und des Thinktanks T3 ergab. Zudem benötigt die Umsetzung der Infrastruktur-Investitionen noch immer einen langen Zeitraum, auch wenn mittlerweile schon schnellere Verwaltungsabläufe angestoßen wurden – allerdings häufig zu Lasten von Umweltschutzprüfungen und Beteiligungsprozessen in der Infrastrukturplanung.

Dass die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors reduziert werden müssen – darüber herrscht in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft ein hohes Maß an Einverständnis. Uneinig ist man sich zwischen politischen Parteien, Kammern, Verbänden, Gewerkschaften und NGOs jedoch über den Weg und die Dynamik der Verringerung. Die Frage, welche Technologien notwendig seien, ob die Transformation „technologieoffen“ geführt, ob der ÖPNV und die aktive Mobilität gestärkt werden soll oder ob man darauf vertraut, dass die Menschen ihre Mobilität verändern, bewegt nicht nur die Bürger:innen, sondern erfordert auch veränderte Stadtentwicklungs- und Planungspraktiken.

Also ist eine umfangreiche Verkehrs- und Mobilitätswende notwendig, um den Ausstoß von Treibhausgasen langfristig zu unterbinden. Im politisch-praktischen, aber auch wissenschaftlichen Diskurs gibt oft es keine klare Abgrenzung zwischen den Begriffen Verkehrs- und Mobilitätswende. Beide werden zumeist mit disruptiven technologischen Innovationen in Beziehung gesetzt (Digitalisierung, Ausstieg aus fossilen Antrieben, Automatisierung und Vernetzung). Daneben besteht die Forderung, den ÖPNV sowie die aktive Mobilität (Fahrrad fahren, zu Fuß gehen) zu stärken.

4 Dimensionen der Mobilitätswende

Angelehnt an die Soziologin Katharina Manderscheid (2020) lassen sich drei Zugänge unterscheiden:

  1. Im Mittelpunkt öffentlicher Debatten steht häufig die automobile Antriebswende. Sie fokussiert den Umstieg von fossilen Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe, synthetische Kraftstoffe oder grünen Wasserstoff.
  2. Die Verkehrswende geht darüber hinaus. Sie zielt auf Veränderungen im gesamten Verkehrssystems, auch jenseits des PKW. Dazu gehören der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sowie mehr Fahrrad- und Fußwege oder Verkehrsvermeidung durch Telearbeit (Umstieg zugunsten des Umweltverbundes).
  3. Die Mobilitätswende zielt auf einen grundlegenden Umbau der Mobilitätsmuster und -routinen der Menschen ab: Sie hinterfragt Mobilitätsanlässe (etwa Pendeln oder Care-Arbeit) und bezieht politische und kulturelle Dimensionen von Mobilität mit ein.

Aufgrund der Interessenskonstellationen und der Pfadabhängigkeiten ist zusätzlich eine poltisch-planerische Strategiewende notwendig – von der Angebots- zur Nachfrage-Orientierung mit der Verantwortung, auch gegen den Widerstand einzelner sozialer Gruppen und Interessensvertretern die notwendigen Ziele zur Eindämmung des Klimawandels und der Erderwärmung festzulegen und zu überwachen (Dangschat 2026).

Um Verkehrsemissionen erfolgreich zu senken, ist daher ein breiter systemischer Zugang notwendig, mit dem auch soziale und sozialräumliche Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten abgebaut werden, wie der Nachhaltigkeitsforscher Frank Geels bereits 2012 beschrieb. Mobilität unter Transformationsgesichtspunkten zu diskutieren bedeutet, neben der technologischen Machbarkeit und der infrastrukturellen Voraussetzungen auch die praktische Umsetzbarkeit und damit verbundene Konflikte zu berücksichtigen: Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen wird eine Transformation des Mobilitätssystems politisch möglich und breit akzeptiert?

Mobiltätswende gelingt nur durch einen Wertewandel

Durch die massiven technologischen Entwicklungen, den Klimawandel, den Druck auf Sozialsysteme, globale Krisen, etc. wird aktuell der Wertewandel innerhalb moderner Gesellschaften beschleunigt. Dieser geht jedoch innerhalb der Gesellschaft mit unterschiedlichen Intensitäten, Dynamiken und Richtungen einher, was insgesamt zu einer Ausdifferenzierung der Ziele, Werte, Interessen, politischen Forderungen und Lebensweisen sozialer Gruppen bei einer gleichzeitig zunehmenden sozioökonomischen und regionalen Ungleichheit führt. Das erschwert die Umsetzung der dringend notwendigen sozial-ökologischen Transformation, so der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Tobias Haas (2021) und führt in politischen Parteien häufig zu populistischen, statt innovativen Strategien.

Das betrifft insbesondere die vier oben genannten, miteinander in engem Zusammenhang stehenden „Wenden“. Jede Veränderung, die den Alltag von Menschen betrifft, wird vor allem dann akzeptiert, wenn sie als kurz- und mittelfristig vorteilhaft wahrgenommen werden. Der Wegfall des Parkplatzes vor der Haustür oder Forderungen nach einem Umstieg von einem Verbrenner auf ein E-Fahrzeug („Verbrenner-Aus“), einer Veränderung zu einer multimodalen Mobilität, oder zum Verzicht auf das eigene Auto erzeugen meist eine emotionale Gegenwehr, die von Interessensgruppen zusätzlich medial verstärkt wird. „Technologieoffenheit“ ist darauf keine Antwort, sondern verschiebt die nötige Auseinandersetzung in eine fernere Zukunft und behindert daher die notwendige Transformationsdynamik.

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